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Der Kunstgenießer geht in die Galerie, der Wurstsüchtige auch! Denn die Kunst, Wurst zu machen und damit zu kochen kann man am 10.5.2014 in Düsseldorf bewundern und verkosten. Die Kitchen Guerilla veranstaltet zusammen mit Pilsener Urquell eine Wurstperformance mit dem schönen Namen “Wurstgalerie”. Karten für diesen Wurstevent hatte Petra von dermutanderer.de verlost. Das war mir nicht Wurst und ich hatte mich dafür beworben.

UND ICH HABE GEWONNEN! (Danke, Petra!)

Morgen geht’s also in ferne Düsseldorf. Drei Stunden Anreise sind nicht zu viel für so eine wurstige Angelegenheit, denke ich. Jetzt noch schnell ein Hotelzimmer besorgen, damit die Wurst auch ordentlich runtergespült werden kann und ich nicht mehr Heim fahren muss…

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Wenn einem Wurstsüchtigen wie mich am Sonntagmorgen zunächst mal nach was ganz Süßem zum Frühstück ist, dann muss der Vorabend schon ganz schön deftig gewesen sein. Genau so war es: Es gab Wurst bis zum Abwinken! Und obendrein gewann am Abend noch eine Wurst und verzauberte ganz Europa. Wir hatten bei Petra Karten für die Düsseldorfer Wurstgalerie am 10.5.2014 gewonnen. Ein Abend im Zeichen der Wurst. Genauer: Düsseldorfs Wurstpapst Peter Inhoven drückt aus der Wurstpumpe wunderbare Wurstkreationen heraus, das Team der Kitchenguerilla performed sie und Pilsener Urquell hilft beim Runterspülen. Ein Triumvirat unter dem Zeichen der Wurst, das viel versprach. Nach dreistündiger Anfahrt im Dauerregen war unsere Laune auf dem Nullpunkt. Ganz im Gegensatz zu unserem Hunger. Nur mit Mühe konnten wir etliche Ruhrgebiets-Imbisse links liegen lassen, denn wir wollten unsere Aufnahmekapazität nicht vorzeitig einschränken. Angenehmerweise waren genug Parkplätze auf dem Gelände vorhanden, direkt vor der Halle am Wasserturm. Die Halle selber, eine schlichte, alte Industriehalle, war dezent, aber effektvoll dekoriert. Vor der Pilsener Urquell-Theke war quasi ein Foyer durch einen Vorhang von Würsten abgeteilt, durch den man sich erst mal wie im Schlaraffenland “durchfressen” musste, um zu zwei scheinbar endlos langen Tischreihen zu kommen, die vor der Wurstpumpe am anderen Ende der Halle aufgebaut waren. Die Bierbänke davor standen in reizvollem Kontrast zur stilvollen Tischdeko mit weißen Decken, Kerzen und trockenen Hopfenblüten. Eines war uns sofort klar: Hier mitten drin zu sitzen würde zwar sehr kommunikativ, aber auch ziemlich hindernisreich sein, wenn wir mal aufstehen wollten. Also taten wir es zwei anderen schlauen Paaren gleich und sicherten uns Plätze am Kopfende, nahe der Theke.

An den Wänden standen Kleiderständer, von denen die Würste der Metzgerei Inhoven verführerisch baumelten. Die waren übrigens Teil des Menüs, wie wir aber erst später begriffen, denn an jedem Ständer hing auch ein Messer … Ein erster Stimmungsdämpfer war die miese Akustik der Halle. Trotz Übertragung auf eine Großleinwand bekamen wir nicht wirklich mit, was Peter Inhoven an der Wurstpumpe zu erzählen wusste. Nur dass es wohl einiges zu sagen gab. Allein der Ton hallte dermaßen, dass wir kaum etwas mitbekamen. Wettgemacht hat das aber die tolle Crew der Kitchen Guerilla, die sich supernett und fröhlich um uns kümmerten. Kaum war ein Glas leer, stand das nächste mit zischendem Pilsener Urquell, schon vor uns. Aufpassen – Bier füllt den Magen! Das Menü begann vielversprechend. Oruk, frittierte Bällchen, gefüllt mit Mai-Gemüse und Ziegenfrischkäse, waren ein schöner Gaumenkitzler. Auch der zweite Gang, Blutwurst-Ravioli mit brauner Butter, Salbei und Parmesan kam herrlich lecker. Dann sollten die hängenden Würste probiert werden. Der Anblick der vielen Köstlichkeiten hatte aber schon lange vorher die ersten Neu-Gierigen zu den Messern greifen lassen. Nun kam erst recht Schlaraffenland-Feeling auf: Wurst satt! So viel man wollte. Schnell war klar, dass die schiere Vielfalt einen Strich durch die Rechnung machen würde. Man konzentrierte sich besser auf die Sorten, die einen besonders anmachten. Erstaunliche Probiertechniken konnte ich beobachten. Vom zaghaft abgesäbelten, bescheidenen Wurstscheibchen, dass sofort im Mund des Probanden verschwand bis zu auf dem Boden abgestellten Tellern, auf denen sich riesige Wurstabschnitte türmten während dessen deren Besitzer sich gerade mit anderen Wurstsüchtigen um eine bestimmte Sorte duellierten, sah ich alles. Natürlich gab es auch Verletzte, Hartwürste sind nun mal mitunter sehr hart und die Messer deshalb besonders scharf. Aber die Crew hatte vorgesorgt und leistete blitzschnell Erste Hilfe. Der vierte Gang klang besonders interessant: King of Laos, eine Schweine-Bratwurst mit Koriander und Lemon Gras, an Rhabarber-Orangen-Chutney und Rosmarin-Zitronendrillingen. Die Würste waren einfach superlecker, die Beilagen dagegen ziemlich fad. Hier hatten wir uns einfach auf mehr Kreativität und Geschmack gefreut. Die Rosmarin-Kartoffeln waren, abgesehen davon dass sie schon kalt waren, fast geschmacklos und zu weich. Wie schön wären hier knackige Drillinge gewesen, mit einer leichten, knuspernden Panade aus Paniermehl, Rosmarin und grobem Meersalz. Ähnlich zwiegespalten ging es weiter. Die Würste immer spannend und lecker, die Beilagen beliebig und langweilig. Wie es anders geht zeigen übrigens die Hamburger Curry Pirates jede Woche mit einer anderen Wurstkreation, die spannend serviert wird. Es folgten Shanghai Tiger, Rindsbratwürste mit Wasabi und Teriyakisauce. Dazu arg matschiges, viel zu süßes Zwiebelkonfit, der Salat zwar knackig, aber mit langweiligem Dressing. Ähnlich bei der folgenden Pilsener Urquell Wurst, eine Schweinsbratwurst mit Majoran- und Pimentnote, die dann auch nicht mehr so überragend war wie die Vorgänger und mit Biersenf serviert wurde. Ein frischer Düsseldorfer Löwensenf wäre mir lieber gewesen. Der Untergang zum Schluss kam dann in Gestalt von Mascarpone-Ingwer Crepes mit Orangenfilets und warmer Schokosauce. Statt dem Anlass entsprechend jedem Gast ein ganzes Crepe zu gönnen (es muss ja nicht gleich ein Riesending sein) und so von der Formsprache beim Thema Wurst zu bleiben, gab es ein winziges Scheibchen mit pappsüßer Füllung, die winzigen Orangenfiletchenlein trocken, ebenso wie der kalte Klecks Schokomouse, der gerne warme Sauce gewesen wäre. Das war das erbärmlichste Dessert, das wir seit langem gegessen haben! Dazu wurde dann mit großem Brimborium Mliko gereicht (= tschechisch für Milch). Das ist der frische Schaum vom leckeren Pilsener Urquell. Nicht mein Ding. Lieber viel Bier ohne viel Schaum. Insgesamt hat der Abend dennoch einen warmen Eindruck hinterlassen. Peter Inhovens Würste und die quirlige Guerilla-Crew haben es rausgerissen. Kommen wir wieder zu Einkaufszeiten nach Düsseldorf, wird seine Metzgerei leergekauft werden! Die Kitchen Guerilla hat leider enttäuscht. Die Krönung des Abends war dann im Hotelzimmer der Schluss des European Song Contest, bei dem Conchita Wurst abräumte! Ein toller Abend im Zeichen der Wurst. Und mittlerweile freue ich mich auch wieder über deftige Frühstücke mit lecker Wuuuurst …

Bilder gibt’s übrigens hier

Hauchdünn geschnittene Salami! Hunderte von Scheiben aus einer Wurst! Da heißt es, beherzt zubeißengreifen! Gibt’s aber nicht beim Metzger, sondern hier: http://www.doiydesign.com/en/products/36-salami-notes.html

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Hessen trifft Italia

In der aktuellen Ausgabe des Slow Food Magazins (5/2012), mit dem Schwerpunkt Wurst, stehen auch etliche Wurstrezepte. Zwei unserer Lieblingslebensmittel, Risotto und Hessische Ahle Worscht, sind dort aufs Innigste vereint. Es schreit nach nachkochen. Und siehe da: Hessen und Italienier verstehen sich prächtig. Die krosse, kräftige Wurst und der cremige Reis ergänzen sich wunderbar.

Zutaten für 4 Personen:

1 Stange Porree
1 große Möhre
1 Knoblauchzehe
40 g Butter
250 g Arborio Reis
mind. 150 ml Weißwein (bei uns eher mehr)
ca. 700 ml Gemüsebrühe 
250 g Bergkäse; 1 Viertel davon am Stück, der Rest gerieben
Salz
frisch gemahlener Pfeffer
200 g Ahle Wurscht

Zubereitung:

  • Den Porree in feine Ringe, die Möhre in kleine Würfel, den Knoblauch in winzige Würfel schneiden.
  • Butter in einem Topf schmelzen und das Gemüse darin anschwitzen.
  • Den Reis dazugeben und gut unterrühren.
  • Mit dem Weißwein ablöschen.
  • Den Wein fast eindampfen lassen und mit Brühe nach und nach wieder aufgießen.
  • Immer wieder einkochen lassen und dabei ständig rühren, damit nichts anbrennt.
  • So lange wiederholen bis die Brühe fast aufgebraucht ist. Das dauert ca. 20 Minuten.
  • Der Reis sollte cremig, außen weich und innen noch al dente sein. Notfalls noch etwas Wein nachschenken und weiter reduzieren.
  • Der Reis sollte noch git feucht sein und nicht bröselig trocken.
  • Den geriebenen Bergkäse unterheben, vom Herd nehmen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und ruhen lassen.
  • Die Ahle Wurscht in feine Scheiben oder Streifen schneiden und in einer Pfanne kross ausbraten.
  • Den Reis auf dem Teller anrichten, mit den Wurschtchips bestreuen und den Bergkäse mit einer groben Reibe darüber hobeln.
  • Mit einer Scheibe Ahle Wurscht dekorieren.

Zubereitungszeit: ca. 45 Minuten

Dazu den gleichen Wein, mit dem ihr gekocht habt. Demnächst versuche ich das Ganze mit Apfelwein …

Was für eine Schweinerei!

Gerade haben wir es schriftlich bekommen: Schwäbisch-Hällische-Eichelschweinkoteletts entsprechen nicht der EU-Verordnung und sind minderwertiges Fleisch. Da passt es doch wunderbar, dass wir erst vor ein paar Tagen das Glück hatten, von der Sinsheimer Metzgerei Ohr ein paar dieser sagenhaften Koteletts zu ergattern. Zweimal haben wir schon damit gekocht und sind nun süchtig nach diesem grandiosen Schweinefleisch.

So müssen Koteletts aussehen!

So mancher wird sich mit Grausen abwenden und der EU recht geben. Denn mittlerweile bekommt man ja fast nur noch Turboschweine, denen sämtliches Fett, und somit auch Geschmack, weggezüchtet wurden. Dabei kann man das Fett ja wegschneiden, wenn es in der Pfanne seine Schuldigkeit getan hat. Denn ohne diesen Geschmacksträger fehlt einfach was, das Fleisch ist fade. Darüber hinaus ist langsam gewachsenes Fleisch, wie von den Schwäbisch-Hällischen oder auch den Bunten Bentheimer Schweinen ohne große Wassereinlagerungen, die Koteletts in der Pfanne schrumpeln lassen wie Pimmel im kalten Wasser. Von den fehlenden Antibiotika ganz zu schweigen. Artgerechte Haltung und Fütterung ohne Tiermehl sind weitere Argumente für diese wunderbaren Tiere.

Wer dieses Fleisch probiert hat, wird sich fragen, ob die EU-Prüfer diese Koteletts jemals in der Pfanne, geschweige denn auf der Zunge hatten! Überhaupt, wovon ernähren sich diese Typen? Von genormten Kartoffelchips? Dabei ist der Unterschied augenfällig. Und man kann ihn schmecken. Ich hoffe, dass vielleicht doch einer der Prüfer vom verpönten Fleisch genascht hat, dabei mehrfach gekommen und anschließend zu einer Domina gegangen ist, um sich dafür verhauen zu lassen. Hoffentlich hat es ordentlich weh getan!

Wunderbares Schmalz vom Eichelschwein

Wir lassen uns jedenfalls nicht gängeln und werden diese Köstlichkeit weiter genießen. So ein Schwein macht glücklich. Daher kommt vermutlich auch der Begriff “Glücksschwein”. Steigern lässt sich das nur noch durch gemeinsames Schwelgen in versauten Genüssen. Da geht die Liebe buchstäblich durch den Magen …

Schweinsblutorgasmus

Reine Wurstpornographie ist das, was Petra von “Der Mut anderer” uns da bietet! Das ist der Stoff, von dem ich immer blutigrot und ziemlich feucht träume! Blutwurst selber machen! Aber eimerweise Blut und mein kleiner Backofen scheinen sich von vorn herein gegenseitig auszuschließen. Auch weiß ich nicht, ob mein Hund nicht die Contenance verliert, wenn er so viel Blut riecht. So bleibt mir vorerst nur, Petras tolles Rezept immer wieder zu lesen, bis es ganz zerfleddert vom Monitor fällt…

Speckige Mode

Haben wollen! Schade, es gibt keine Blutwurst-T-Shirts :(

http://teeparty.jp/pid/4417

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