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Archive for the ‘Wursttest’ Category

Currywurstdesaster

Licht und Schatten können so nahe beieinander liegen. Was hatten wir uns auf diesen Freitag gefreut! Ruhrpott intensiv mit Starlight Express! Ruhrpott extrem sollte es sein. Mit Bergarbeiter-Museeum und – natürlich – Currywurst.

Kommste inne Stadt, was macht dich da satt? Ne Currywurs! wusste schon Grönemeyer und angeblich soll der Song hier in Bochum an der besten Currywurstbude der Welt geschrieben worden sein. Zwei hervorragende Currywurstbuden nennt das Internet in Bochum. Da ist das Bratwursthaus im Bermudadreieck (ein Vergnügungskietz) und der Profi-Grill in Wattenscheid. Das erstere hat Grönis Hit hervorgebracht und wird wegen der gnadenlos guten Currywurst gelobt, das letztere hat als Besonderheit einen “Sternekoch”, wie man hört, der die Sterne satt hatte und was Bodenständiges machen wollte.

Sternekoch hört sich nach ganz besonders guter Wurst und raffinierter Soße an. Wir konnten es kaum abwarten und fuhren am Nachmittag hin, nachdem wir zuhause zu spät weggekommen waren und Dauerregen die Fahrt behindert hatte. Hunger lässt bekanntlich jede Kritikfähigkeit schrumpfen wie ein Nogger an der Sonne. Notfalls hätten wir Lederschuhe mit Soße gegessen, vorausgesetzt, es wäre genug Curry dran gewesen. Von Berichten waren wir vorgewarnt: Ein ganz typischer Imbiss in einer ganz typischen Rurpottstraße. Von außen in der Tat wenig einladend, eher die Inkarnation eines billigen, schnellen, fettreichen Essversprechens. Der Raum ist klein und durch die dunkle Einrichtung düster. Dafür strahlt die Theke mit der Grillzone dahinter grell wie eine Puffreklame. Hinter der Glasfront stapeln sich Frikadellen-Berge und gut halbmeterhoch panierte Schnitzel. Alle denkbaren Salate quetschen sich malerisch Schüssel an Schüssel. Die Tafel mit den Gerichten an der Wand ist entsprechend umfangreich.

2,20 soll die Currywurst kosten. Günstig, wie ich finde. Zahlen die Hessen doch in der Regel einen Euro mehr dafür. Doch für Ruhrpottverhältnisse sei das noch recht teuer, hatte ich gelesen. Da fragt man sich sofort, wie für das Geld noch Qualität auf den Teller kommen soll. Wir entschieden uns für eine doppelte Curry mit Kartoffelsalat und eine einfache Curry mit Pommes rot/weiss. Die freundliche Bedieniung bat uns an einen Tisch und es dauerte nicht lange, da standen die Teller vor uns. Anzuschauen ganz nett, mit einem Petersiliensträusschen (immerhin glatte Petersilie, ein Gruß vom Sternekoch?). Der Biss in ein Stück Currywurst mit Sauße ließ mich fast die Gabel aus der Hand fallen: Kaum Wurstgeschmack, versunken in einer süßen, pappigen Brühe. Wäre nicht etwas Curry darauf gestaubt gewesen, hätten wir gar keinen Curry geschmeckt. Einfach nur süßsalzig und ansonsten fade und ausdruckslos. Von Schärfe erst gar nicht zu reden. Wir schauten uns entsetzt an. DAS soll eine der besten Currywürste sein? Von einem Sternekoch? Schnell einen Bissen Kartoffelsalat genommen. Der war ordentlich. Bissfeste Kartoffelscheiben in cremiger, gut gewürzter Sauce mit frischen Schnittlauch. Das Ganze reichlich. Die Pommes der Liebsten waren auch OK. Nichts auszusetzen. Aber wir waren wegen der Wurst hier. Nicht mal Ruhrpottflair hat der laden verströmt. Kaum Kunden da. Und die haben keinen Dialekt gesprochen. Schade, das war also ein echter Reinfall. Hab dann noch mal gegoogelt: Da ist immer von Sternekoch die Rede, weil der Inhaber in auch vielen sternedekorierten Läden gekocht hat. Aber ob die Sterne auf sein Können zurück gehen mag ich nun doch bezweifeln. Von einem Sternekoch hätte ich einfach etwas Raffinesse erwartet und herausragende Geschmackserlebnisse.

Wurst mies, Wetter mies. Jetzt musste das Musical alles rausreißen. Und das tat es gottseidank auch. Nach der Show meldete sich der Hunger und erinnert an die zweite Currywurstbude. Das Wetter war noch schlechter geworden. Es regnete Bindfäden. Trotzdem kein Parkplatz rund ums Bermudadreieck zu finden. Nach zig Umrundungen dann doch noch ne Lücke. Erstaunlich voll im Kietz. Die Leute quetschten sich unter Sonnenschirmen und versuchten nicht nass zu werden. Mitten drin dann das Bratwursthäuschen. Merkwürdigerweise ziemlich leer, im Gegensatz zu den umliegenden Etablissements. Sollte das ein Hinweis auf die Qualität sein? Schnell weiter zum eigentlich geplanten Spanier? Nein, jetzt waren wir schon mal da und wollten es wissen. Diesmal ging ich es vorsichtiger an: Nur eine Currywurst. Die Liebste wieder mit Pommes und Mayo. Mit tonnenweise Pommes und tonnenweise Mayo. Irgendwo, tief darunter, musste die Wurst sein. Bei mir war das einfacher: es gibt nur ein halbes Brötchen zur Wurst! Ein erster Biss mit Sauce lässt mich hoffen. Die Sauce ist würzig und ausrechend scharf. Schön sämig. Die Wurst dagegen eine große Enttäuschung. Nix besonderes. Kriegste bei tausend anderen ebenso. Und dafür nun nach Bochum gekommen?! Ich wollte es jetzt wissen und orderte noch ne Chiliwurst, in der Hoffnung, es sei auch eine andere Wurst. Denkste, lediglich die Sauce einen Hauch schärfer. Naja, auch da kenne ich bessere Adressen. Weit bessere.

Vielleicht hätten wir Bochum noch ne Chance gegeben, wenn wir genug Zeit gehabt hätten. Leider mussten wir weiter nach Berlin. Vorher hatten wir das überteuerte Hotelfrühstück boykottiert und uns in der Nähe eine Bäckerei mit Frühstückseckchen gesucht. Und da blitzte dann die charmante Seite es Ruhrgebietes durch. Nette Menschen mit lustigen Dialekt, tolles Gebäck und samtig Frikadellen. Bochum, wir kommen wieder! Aber nie wieder Currywurst!

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Höllenwurst

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Erstens schmeckt Dosenwurst sowieso nicht und zweitens macht Chili sie bestimmt nicht besser. Ich esse gerne scharf und einige Tischgesellen meinen, ich übertriebe es manchmal. Dem kann ich nur widersprechen: Ich übertreibe immer. Auf der Suche nach neuem Feuerzeugs war ich auf die Suicide Saucen von Florian Kos aus dem Odenwald gestoßen (Wahnsinn!) und hatte sie hier bestellt. Und da lachte sie mich an: Wurst in Dosen mit Habanero-Chili aufgeladen. Bei Habanero tickt mein Verstand regelmäßig aus. Also muss ich da jetzt durch. Strafe muss sein! Zuerst probiert: die Blutwurst natürlich. Wertung: Scheißescharf! Oder besser: scheiße UND scharf! Und jetzt habe ich noch Bier-, Leber- und Bratwurst vor mir …

Habanero-Blutwurst, 200 g € 2,99

Chili Food
Robert-Bunsen-Str. 1
67098 Bad Dürkheim
Tel: 0049-6322-989482  Fax:0049-6322-989497
http://www.chili-shop24.de

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Eine hervorragende Fleischwurst gibt es auch im sogenannten Bergwinkel, hier gleich um die Ecke. Sterbfritz heißt das Dörfchen, was sich aber sicher nicht auf einen gewissen Fritz bezieht, der von den Würsten der Metzgerei Martin gekostet haben soll. Für seine Fleischwurst ist Metzger Martin schon ausgezeichnet worden. Und ausgezeichnet schmeckt sie auch. Durchaus vergleichbar mit der Hanauer Wurstwurst: herrlich rauchig und deftig. Nur die Pelle ist etwas härter. Zusammen mit einem traumhaft schaumigen Gurkensalat von mestolo (Päm möge mir verzeihen, so direkt neben einem Fleischprodukt erwähnt zu werden) war diese Wurst gestern ein wunderbares Abendessen.

Fleischwurst im Ring, € 6,90/Kilo
Metzgerei Martin
Filiale Sterbfritz

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Ein Mittstreiter vom Blutwurstritter Reim hat seine Burg ganz in der Nähe. Ein winziges Örtchen nahe Hanau versteckt eine Gourmet-Metzgerei. In Bruchköbel-Oberissigheim residiert der Blutwurstritter Klaus F. Lohmann. Ein erster Anlauf, seine Würste zu probieren scheiterte daran, dass Montags geschlossen ist, vermutlich aus Solidarität mit dem Friseur-Handwerk. Heute aber war es dann soweit: Seine Blutwurst und ein Schwartemagen kamen unter das Messer.

Seine 2008 mit Silber prämierte Blutwurst hängt in gut gereiften Ringen und glänzt den Süchtigen verführerisch an. Der erste Schnitt offenbart ein nicht ganz schwarzes Fleisch mit überdurchschnittlich vielen Speckstückchen. Nach meinem Geschmack könnte der Ring noch etwas gehangen haben (und der zweite wird bestimmt noch ein paar Wochen reifen), aber der Geschmack ist schon vollmundig. Dezent gewürzt kommt das volle Blutaroma gut mit dem Speck klar. Die Pelle ist noch nicht krachend. Die Zeit wird’s aber richten. Heute Abend wird der angebrochene Ring mit Sauerkraut und Spaghetti eine italienisch/hessische Hochzeit eingehen (Rezept folgt).

Unter den kritischen Augen unseres Testteams wurde dann der Schwartemagen aufgeschnitten. Auch er noch ein bisschen zu jung. Und dennoch: Der Geschmack ist schon rund. Eine Blase nach meinem Gusto! Schon lange habe ich keinen so ausgewogenen Schwartemagen mehr auf die Zunge bekommen! Einfach köstlich und die komplizierte Anfahrt allemal wert. Ritter Lohmann, ihre Burg werde ich öfter stürmen!

Hausmacher Blutwurst, 9,80 €/kg
Hausmacher Schwartemagen 13,50 €/kg

Fleischerei Lohmann
Langstraße 38
63486 Bruchköbel-Oberissigheim
Tel. 06183-4290

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Ludwigs Lamm-Lust

Es gibt Metzgereien, die putzen sich raus wie Parfümerien. Da glitzert aus tausend Halogenlampen alles in Glas, Metall und glattem Stein. Die Bedienungen adrett in Uniform, durchgestylt wie die Anzeigen, Plakate und Flyer. Aber warum sollten sich Metzgereien nicht auch zeitgeistig zeigen und anständiges Marketing betreiben dürfen? Es muss ja nicht immer die Theke aus den 50ern sein und die Kittelschürze der ebenso propper wie fettglänzenden Bedienung. Und „Schweinebauch-Werbung“ – wie man in meiner Branche zu typisch preisschreierischen Angeboten sagt – ist nun wirklich von gestern. Und trotzdem beschleicht mich immer ein komisches Gefühl, wenn ich auf solche Präsentation – vor allem bei meiner geliebten Wurst – stoße.

Im Nachbarstädtchen Schlüchtern gibt es einen solchen Metzger: „Der Ludwig”. Nicht nur die „gläserne Wurstküche“ nimmt er wörtlich und lässt seine Kunden beim Wursten zuschauen, auch das Marketing ist offensiv auf Transparenz getrimmt. Preise heimst er seit Jahren ein. Nun ist er von der Zeitschrift „Der Feinschmecker“ auch noch unter die 400 besten Metzgereien Deutschlands gekürt worden. Seine beiden Spitzen-Würste, die Vollmond-Salami und die Lamm-Salami vertreibt er mittlerweile auch über Karstadt. Alles in allem ein toller Auftritt. Aber erfüllt „Der Ludwig“ auch die hohen Erwartungen, die er damit verspricht?

Ich habe zunächst die Lamm-Salami getestet. Sie besteht aus „100 % Lammfleisch aus dem UNESCO Biosphären Reservat Rhön“ und wird mit einem Schluck Apfel-Sherry, der in Whiskey-Fässern gereift ist, veredelt. Die Wurst kommt – ganz marketingkonform – in edler Schachtel, in Cellophan geschützt und im Textilsack gefüllt, daher. Eine richtige Designer-Wurst. Kann so etwas auch schmecken? Der Anschnitt lässt einen sofort Lamm- und Apfelaromen in die Nase kommen. Dann der erste Biss: purer Lammgeschmack! „Ach was!“ wird mancher denken, was auch sonst. Aber wie oft habe ich Lamm-Salamis gegessen, die weit vom Lamm entfernt waren. Man trifft ja oft auf Feinschmecker, denen Lamm am besten schmeckt, wenn es so wenig wie möglich nach Lamm schmeckt. Also: Lamm pur bei Ludwigs Lammsalami. Dazu die gewisse Süße des Apfelsherrys, gepaart mit leichter Senfnote. Die Konsistenz ist fest, die Scheiben lassen sich hauchdünn schneiden. Da hat er nicht zu viel versprochen.

Das zweite Highlight aus Ludwigs Repertoire, die Vollmond-Salami, ist etwas für die Esotheriker unter den Wurstsüchtigen. Sie soll – in einer einzigen Vollmondnacht von Meisterhand hergestellt – mit Hilfe des magischen Mondes geheimnisvolle Kräfte frei setzen. Ganz sicher werden diese Kräfte in Ludwigs Kasse wirken. Aber bei mir altem Agnostiker wird sie es erst noch in einem alsbald folgenden Feldversuch beweisen müssen …

Lammsalami, 380 g Stück, € 9,90 (im Webshop)

Der Ludwig
Fuldaer Strasse 2
36381 Schlüchtern
Telefon +49 (0)6661.2133
Telefax +49 (0)6661.5828

e-Mail:
post(at)der-ludwig.de

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